Samstag 27.8.2022 (missglückter) Ausflug nach Razlog und Belitsa.

Gestern Abend war hier im Ort noch die Hölle los. Auf dem großen Platz in Zentrum fand ein Public Viewing statt, aber dieses Mal war es kein Fußball, sondern die Filmsufführung von Grease. Das alte Stück hat eine Menge Leute angelockt, die auf ein paar hundert Stühlen vor einer großen Leinwand saßen und das Stück verfolgten und lautstark kommentieren. Die Stimmung war großartig!

Aber die Stadt auch sonst sehr voll. Ich bin fast eine Dreiviertelstunde rumgelaufen, um ein Restaurant zu finden. Klar, ich gehe gerne in ein volles Restaurant, weil das immer ein gutes Zeichen ist. Der Nachteil: man bekommt keinen Platz. Aber nach einer Dreiviertelstunde hatte ich tatsächlich in einem meiner favorisierten Restaurants einen Platz gefunden. 

Und die Wahl war sehr gut! Es gab einen typischen Schopska-Salat, und einer Haxe. Beides war ausgezeichnet! Die Haxe war ohne Kruste und ohne Knochen und ohne Fett. Das war ausgezeichnet, das fand nicht nur ich, sondern auch der Hund, der die ganze Zeit neben mir saß, und mich anbetete.


Ein stichelhaariger bosnischer Laufhund!

Der Tag startete dann mit einem leckeren Frühstück. 




Heute stand Belitsa auf dem Programm. Dort ist ein Bären-Schutzzentrum, in dem Bären, die vorher als Tanzbären gearbeitet haben, eine letzte Heimstätte gefunden haben. 

Das Halten von Bären war hier in Bulgarien bis 1998 erlaubt und wurde dann verboten. Trotzdem wurden weiterhin bis 2007 Bären in Gefangenschaft gehalten und vorgeführt. Sie wurden grausam misshandelt und mit Nasenringen dazu gezwungen Kunststücke zu machen. 

Ich war in Rumänien schon mal in so einem Park, wollte mir aber das hier auch auf jeden Fall mal ansehen. Der Plan sah vor, mit dem Bus nach Razslog fahren und dort umzusteigen nach Belitsa.

So weit der Plan!


Es gibt hier eine ausgeprägte Kiosk- oder Zigarettengeschäft Kultur. Die Dinger sind an jeder Ecke man bekommt dort in der Regel Tabak, Alkohol, Getränke und Süßigkeiten. 

Und Kaffee. 

Die haben tatsächlich alle eine sehr gute Kaffeemaschine und auch offensichtlich einen sehr leckeren Kaffee und hier kehre ich oft ein, um mir für nur 0,75 € einen leckeren Cappuccino zu genehmigen. Manche von denen haben auch 3-4 Stühle stehen und so kann man in der Sonne sitzen und seinen Kaffee genießen.


Was es hier in Bansko auch noch gibt: Es gibt in der ganzen Stadt viele Brunnen. Aus allen fließt kristallklares Mineralwasser, dem eine große Heilwirkung zugesprochen wird. Es schmeckt auch sehr gut.


Nun bin ich zum Bahnhof gegangen, weil davor der Busbahnhof ist, von wo aus ich nach Raslog fahren will. Als ich auf den Bahnhof schaue, trifft mich der Schlag. Eine ganze Heerschar von Menschen wartet auf den Zug nach Septemvri. Ich bin ganz froh, dass ich morgen den frühen Zug um 6:40 Uhr gewählt habe.




Auch hier hielt der Bus nicht da, wo ich ihn erwartet habe, sondern ein paar Schritte weiter um die Ecke. Ein paar freundliche Passanten halfen mir und so erwischte ich den Bus gerade noch rechtzeitig. 




In Raslog stieg ich dann aus und fragte den Busfahrer, wo nun der Bus nach Belitsa führe. Er zeigte missmutig in eine Richtung, und ich ahnte schon dass das nicht richtig war.

Also fragte ich einen älteren Herrn, der gerade sein Auto belud, wo denn nun die Haltestelle sei. Der fragte dann: Englisch? 


Und ja das ging! Er sprach hervorragendes Englisch und fragte mich dann woher ich komme und als ich ihn dann mit Deutschland antwortete, sagte er: London!


Er zeigte mir dann ein Schild, und lass mir dann auch die kyrillischen Worte vor: 12:20 Uhr! Das bedeutete, ich musste anderthalb Stunden warten. 

Gestrandet.

Dachte ich.










Also ging ich erst mal in die Innenstadt, wo es eine kleine, sehr nette Fußgängerzone gab. Dahinter ein kleiner Park und so drehte ich hier eine Runde und kaufte mir auch mal ein Eis. Dann schlenderte ich langsam wieder in den Busbahnhof zurück. An der Bushaltestelle, die neben dem Busbahnhof war, fragte ich noch mal sicherheitshalber Passanten, wie ich hier nun weiter käme, aber die meinten: nicht heute!


Das alles war nicht einfach zu verstehen, vor allem, weil ich anfangs auch auf die Mimik und Gestik herein gefallen bin. Sie sagten irgendwas und nickten dabei. Also für mich bedeutet das: alles gut. 

Dann fiel mir ein: nicken heißt nein und Kopf schütteln heißt ja. 

Also was jetzt? Ich beschloss, das so zu interpretieren, dass heute kein Bus mehr fährt.

Das hörte ich nicht so gerne, darum ging ich noch mal zu dem Schild, wo der freundliche Engländer mir die Zeiten vorgelesen hatte. 




Mit Google Lens übersetze ich mir das Schild und tatsächlich: samstags und sonntags fuhr der Bus nicht!


Ich fragte noch eine Dame, aber die meinte dann: Taxi. 

An der Ecke standen mehrere Leute, die offensichtlich alle weg wollten. Ab und zu kam ein Taxi und einige stiegen ein. Ich versuchte es und sagte laut: möchte jemand nach Bansko? Bansko? Taxi teilen? Bansko ? Keine Antwort.

Jetzt schaute ich mal in die Google Maps hinein und da stand: zu Fuß 6 km. 


Hier habe ich lange den Daumen rausgehalten!

Keine verlockende Vorstellung bei der Hitze heute, und die Straße sah nicht so aus, als ob da viel Schatten sein würde. Aber ich stiefelte trotzdem erst mal los. 

Nach 1 km kam ich an einer Tankstelle vorbei, das schien mir ein guter Ort zu sein, um hier per Anhalter weiter zu fahren. 

Die ersten 5 Minuten zogen sich wie Gummi, aber dann hielt ein älteres Pärchen an, und als ich Bansko sagte, nickten sie. Der Fahrer hatte lange Haare, einen sehr langen grauen Bart, und war circa zehn Jahre jünger als ich. Wir konnten uns leider nicht unterhalten, also fuhren wir schweigend bis Bansko, da drehte er sich um und fragte: Center? Ich nickte, und obwohl ich ahnte, dass er da nicht hin wollte, setzt er mich dann oberhalb von Center ab. Freundliche Leute!


Und so war mein Ausflug zu den tanzenden Bären in Belitsa irgendwie ins Wasser gefallen.


Nach einer kurzen Pause bin ich dann losgezogen und habe mir das Velianova Kushta Haus angesehen. Es ist ein Haus aus dem 18. Jahrhundert mit einer typischen Bansko Architektur. 






In diesen Häusern bekommt man immer so eine „Gebrauchsanweisung“ in die Hand gedrückt!



Es hat eine starke Mauer, tiefe Weinkeller und schmale Fenster, die der Verteidigung dienten. Das Haus wurde von einer hiesigen Kaufmannsfamilie gebaut. Nachdem die Familie das Haus verlassen wurde es übernommen von Velian Ognev, der viel Wert auf Dekoration gelegt hat. Und so kam es, dass überall in dem Haus viele Wandgemälde sind die dem zeitgenössischen Stil entsprachen.












Es ist wirklich hochinteressant und es spiegelt das damalige Leben ganz wahrscheinlich eins zu eins wieder. Fast in jedem Raum ist ein Kamin, um das Haus in den Wintermonaten zu heizen. An der Veranda gibt es eine Vorrichtung, auf der die Frauen das Geschirr gewaschen haben, und die Reste fielen über eine Schütte einfach hinunter in den Garten, wo die Tiere dann den Rest erledigten. 


In einer Ecke ist ein kleiner Trakt,  der aus einem Zimmer mit einer Holzwanne besteht und aus einem Zimmer mit einer Öffnung im Boden. Wofür  die Öffnung im Boden war, kann man nur erahnen.

Dadurch, dass man sich frei im Haus bewegen kann, bekommt man wirklich den Eindruck, in der Zeit zurückversetzt zu werden.


Danach war ich im Haus von Paisiy Hilendsrski. Das war ein Mönch, der 1722 geboren wurde und der im Laufe seines Lebens die bulgarische Geschichte, die fast vergessen war, aufgeschrieben hat. 








Das Haus selber wurde vor 200 Jahren an der Stelle errichtet, wo  Paisiy Hilendsrski  geboren wurde. Es sind viele Schriften von ihm ausgestellt, leider konnte ich damit nicht viel anfangen, weil die englische Beschreibung fehlte. Trotzdem ein nettes kleines Museum, das als Gebäuden früher unter anderem auch mal als Schule gedient hat.


Als ich wenig später an der Dreifaltigkeitskirche vorbei kam, fand da zufällig eine Hochzeit statt. Eine große Hochzeitsgesellschaft mit offensichtlich wohlhabend Bulgaren lies hier das Brautpaar hochleben.




Hier sieht man den Küster beim kunstvollen Läuten der Glocken!

Kommentare


  1. Sehr altes Haus.Ich vermute, dass der Raum mit dem Loch im Boden die Toilette sein könnte.

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